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Still inside Rape-Culture

Inhaltswarnung: In diesem Text wird das Thema sexualisierte Gewalt behandelt. Es gibt keine explizite Beschreibung der Taten, aber auch die Thematisierung kann bei Betroffenen Trigger auslösen. Es liegt nicht bei mir darüber zu entscheiden ob dies der Fall ist, ich möchte nur auf den thematischen Inhalt hinweisen, um betroffenen Personen die Möglichkeit der Entscheidung zu geben, bevor sie sich in den Text eingelesen haben.

Die Kritik der „Herrentags“-Rituale in meinem letzten Artikel, soll nicht den Eindruck erwecken, als wäre an den anderen 364 Tagen alles in bester Ordnung und es gäbe keine Übergriffigkeiten, keinen Sexismus und sexualisierte Gewalt. Im Gegenteil.

Wir leben in einer Gesellschaft, die nach wie vor von stereotypen Rollenbildern geprägt ist, in der „Männlichkeit“ gefeiert wird und Frauen und Queers lernen, besser mit dem Schlüssel in der Faust die dunkle Straße entlang zu gehen. Eine Kultur in der die Angst vor Gewalt und sexualisierten Übergriffen, für Frauen und queere Menschen so zur Norm geworden ist, dass es eben zum Alltag gehört. Das Männlichkeit eben bedrohlich ist, ob nun nachts auf der Straße, in einem Club, in Beziehungen, im Arbeitsverhältnis oder innerhalb von Familien. In all diesen Situationen wird häufig nicht die Täterschaft hinterfragt, sondern wie sich Betroffene davor schützen können. Indem sie Vorsorgemaßnahmen treffen, ein Pfefferspray in der Tasche haben, immer aufmerksam sind, nie ihr Getränk aus den Augen lassen, sich nicht zu sexy kleiden und nie allein Nachhause gehen.

Dies ist in vielerlei Hinsicht höchst problematisch. Erstens ist die Annahme, dass sexualisierte Gewalt durch diese vermeintlichen „Vorsichtsmaßnahmen“ zu verhindern sei, falsch. Sexualisierte Gewalt hat nichts mit sexueller Anziehung zu tun und auch nichts damit wie eine Person gekleidet ist. Es handelt sich um eine besonders demütigende Form von Gewalt. Punkt. Zweitens wird in dieser Form des Umgangs die Verantwortung der „Prävention“ auch wenn sie noch so gut gemeint ist, den Betroffenen zugeschoben. Drittens liegt der Fokus häufig auf Übergriffen in der Öffentlichkeit, also dem „Bösen-Fremden-im-Park“ obwohl die häufigsten Übergriffe von nahestehenden Personen verübt werden. Wenn über (potentielle) sexualisierte Gewalt gesprochen wird, kommt es also zu einer Abspaltung der Täter von der übrigen Gesellschaft. Entweder werden diese als Fremde dargestellt bzw. „identifiziert“ oder als irgendwie böse, krank und ab-artig. Hierdurch entsteht das Gefühl, dass es sich um Phänomene außerhalb der normalen Gesellschaft handelt und nicht als Teil einer Norm, die diese Form der Gewalt begünstigt. Nach der Kölner Silvester Nacht wurde das Bild eines „bösen Fremden“ gezeichnet, der deutsche, weiße Frauen überfallt. Rechte Gruppierungen haben diese Ereignisse instrumentalisiert und sie als Aufhänger für Rassismus und Hass gegenüber Geflüchteten genutzt. Aber auch etablierte Medien haben bspw. Bilder abgedruckt, auf denen schwarze Handabdrücke auf dem Körper einer weißen Frau zu sehen sind[1].

Es gibt also einerseits die Vorstellung, dass die Täter sich außerhalb der Gesellschaftlichen Norm befinden, andererseits wachsen wir mit einer Normalität von Bedrohung auf und Mädchen wird schon früh eingeschärft, wie sie sich (vermeintlich) gegen diese Bedrohung schützen können. Bei dieser verinnerlichten Normalität der Angst, ist das jährliche Zelebrieren von grölender Männlichkeit am sogenannten Herrentag also nur die Spitze des Eisbergs. Wenn einige (Cis-)Männer wirklich das Gefühl haben, an allen anderen Tagen ihre „Männlichkeit“ unterdrücken zu müssen und diese Form der Normalität das Ergebnis ist, dann ist das Ausmaß erschreckender als gedacht.

Oliver Pocher hat in den letzten Wochen ein hervorragendes Beispiel für eine besonders zerstörerische Form von männlichem Frauenhass dargeboten, indem er zwei Influenzer*innen mit voller Absicht öffentlich gedemütigt und angefeindet hat und seine frauenfeindliche Fan-base dies dankbar aufgegriffen und die Betroffenen mit Hass überschüttet hat[2]. Als Belohnung bekommt er nun wieder eine eigene Sendung auf RTL. Willkommen in der deutschen rape-culture[3]!

Joko und Klaas haben ihre erspielte Sendezeit auf ProSieben für ein viertelstündiges Video über Hass- und Gewalt gegen Frauen zur Verfügung gestellt. Davon abgesehen, dass es einige (absolut berechtigte) Kritikpunkte an diesem Video (und an Joko und Klaas vorherigem selbst ausgeübtem Sexismus)[4] gab, ist es erst einmal erfreulich, dass dieses Thema auf einem Sender mit einer großen Reichweite ausgestrahlt wurde. Es ist wichtig, dass Diskurse über Sexismus und sexualisierte Gewalt auch außerhalb von linken, feministischen und wissenschaftlichen Kreisen angeregt und eröffnet werden. Nur, dass werden sie bereits. Unzählige Frauenorganisationen, queere Aktivist*innen, feministische Journalist*innen und etliche Einzelpersonen setzen sich seit Jahren und Jahrzehnten dafür ein, Gewalt und Übergriffe gegen Frauen und queere Menschen zu thematisieren und zu bekämpfen. Der Unterschied ist nur, dass diese in den meisten Fällen mit Hate-Kommentaren und Bedrohungen rechnen müssen, während Joko und Klaas von der Mehrheit der Zuschauer*innen mit Lob und Anerkennung überschüttet wurden. Das hinterlässt mindestens einen unangenehmen Beigeschmack.

Ein weiterer Punkt ist, dass auch in diesem Video, der Fokus erneut auf den Betroffenen lag. Es wurde über weibliche Opfer und männliche Täter gesprochen. Worüber aber nicht gesprochen wurde, ist eine Kultur voller Rollenbildern und Männlichkeitsidealen, die diese Form der Vergewaltigungskultur begünstigt und hervorbringt. Die #MeToo Bewegung hat uns gezeigt, dass unsere Freundeslisten voll von Überlebenden sexualisierter Gewalt sind. Davon haben sich, wie auch bei dem Beitrag von Joko und Klaas viele Männer betroffen gezeigt. Nun bedeutet dies im Umkehrschluss aber auch, dass es in den Freundeslisten und Kreisen dieser Männer ebenso viele Täter gibt. Wie wäre es, wenn Joko und Klaas ihre nächste Sendezeit nutzen würden, um darüber zu sprechen? Sich kritisch mit „Männlichkeit“ bzw. mit all den toxischen, gewaltvollen Attributen dieser Männlichkeit auseinandersetzen würden? Mit der Tatsache, dass Vorstellungen von gewalttätiger Männlichkeit, einem männlichen Recht auf Sex, Täter-Opfer-Umkehr-Vorstellungen wie die das „Frauen wenn sie Nein sagen eigentlich Ja meinen“, tief in unserer Gesellschaft und in Geschlechter-Rollenbildern verwurzelt sind. Wenn Kinder mit Vorbildern von kleinen, hilflosen, hübschen Prinzessinnen und Jungen mit wütenden schwertschwingenden Rittern aufwachsen. Wenn Mädchen die Angst vor bösen Männern eingeschärft wird und wie sie sich (vermeintlich) vor diesen schützen sollen, Jungen aber gleichzeitig beigebracht wird sich auch mit Gewalt zu nehmen, was sie begehren, schafft das eine Grundlage für die Verfestigung einer rape-culture. Eine Kultur in denen Frauen und Queers die Verantwortung dafür tragen ob sie Opfer von sexualisierter Gewalt werden, während Männer „halt so sind“. Es wird keine Verbindung zwischen diesem Bild von Männlichkeit und sexualisierter Gewalt gesehen. Stattdessen wird diese als etwas von außen Kommendes konstruiert. Die Vorstellung von Heteronormativität, also das es nur zwei Geschlechter gibt, die sich ausschließlich voneinander angezogen fühlen, verstärkt diese stark entgegengesetzte Rollenvorstellung zusätzlich, bzw. ist eng mit dieser verwoben.

Die Thematisierung von sexualisierter Gewalt ist wichtig, sie schafft Sichtbarkeit für Betroffene. Die erschreckende Vielzahl der #MeToo Posts führte zu weltweiten Diskursen in Medien, Politik und Freundeskreisen über sexualisierte Gewalt. Auch das Video in der erspielten Sendezeit von Joko und Klaas hat eine Debatte angeregt. Eine Thematisierung, ohne die tief verwurzelten Vorstellungen von Männlichkeit zu hinterfragen, ist aber nicht zielführend. Es verschiebt die Verantwortung in Richtung der Betroffenen und konstruiert die Täter als gesellschaftliche Abweichler und nicht als Teil einer Vergewaltigungs-Kultur[5] die sich in beinahe allen Bereichen unserer historisch und sozial gewachsenen Vorstellungen von Geschlecht zeigt. Also, Joko und Klaas, nächstes Thema: Kritische Männlichkeit. Bei Oliver Pocher und seiner Belohnungs-Show habe ich wenig Hoffnung, hier hilft wahrscheinlich nur Protest und Abstrafung nach kapitalistischer Logik: Nicht einschalten.


[1] Die Süddeutsche Zeitung entschuldigte sich im Nachgang für diese Darstellung: https://www.sueddeutsche.de/kolumne/in-eigener-sache-entschuldigung-1.2812327

[2] https://www.zeit.de/kultur/film/2020-05/oliver-pocher-instagram-influencerinnen-sexismus

[3] Zu der nicht erst seit der Silvesternacht in Köln bestehenden rape-culture in Deutschland: https://www.vice.com/de/article/xdk9dw/die-rape-culture-wurde-nicht-nach-deutschland-importiert-sie-war-schon-immer-da-aufschrei-118

[4] https://www.sueddeutsche.de/medien/joko-klaas-in-der-kritik-sorry-fuer-den-busengrapscher-1.1496387?fbclid=IwAR2IwP9Ki2RiTwIs5CrZtO1kKM-5a_mJkDE0dy-O71wtYmD-1TzK-UT7C7U

[5] Hierzu: Mithu M. Sanyal analysiert in ihrem Buch „Vergewaltigung“ verschiedene Diskurse, Fälle und Ereignisse zu diesem Thema und zeichnet die historische und rechtliche Entwicklung von der „ehrbaren“ Lucretia bis zur Sexualstrafrechtsreform und der Silvesternacht 2015/2016 in Köln nach. Ein absolut großartiges Buch von einer beeindruckenden Autorin und Journalistin. https://edition-nautilus.de/programm/vergewaltigung/

Happy Mothers-Day! Von gefallenen Mädchen und idealisierter Mutterschaft.

Heute ist Muttertag. Der eine Tag im Jahr, an dem Mutterschaft so etwas wie Ehre erhält. Vermeintlich. Denn die Form von gesellschaftlich erwünschter Mutterschaft folgt klar umrissenen Normen und daran hat sich seit den 50er Jahren auch nur grob etwas geändert. Geändert hat sich, dass heute mehr Frauen einer Lohnarbeit nachgehen. Trotzdem ist sowohl der Gender Pay Gap, als auch der Gender Care Gap immer noch erschreckend hoch[1]. Besonders wenn es um Elternschaft geht, gibt es weitreichende Gesellschaftliche Ungleichheiten bezüglich des Geschlechts. Wenn ich einen Blick auf die Muttertags-Werbeanzeigen werfe, wird mehrheitlich ein bestimmtes und somit ehrbares Bild von Mutterschaft vermittelt. Es handelt sich um schlanke, weiße, in einer heterosexuellen Beziehung lebende Cis-Frauen[2] ohne Einschränkungen. Klar, wieso sollte Werbung nicht auch am Muttertag in die übliche Wirksamkeits-Kiste greifen.

Diese Darstellung konstruiert und spiegelt gleichzeitig ein bestimmtes Bild von ehrbarer Mutterschaft, das in westlichen Gesellschaften herumgeistert. Das ideale Bild sieht folgendermaßen aus:

Eine Frau bekommt zwischen 28-35 Jahren ihr erstes Kind. Nicht zu früh, sonst ist sie eine wahrscheinlich unfreiwillig schwanger gewordene Teenie-Mutter (obwohl unfreiwillig auch gleichzeitig unreif und faul heißt, hätte sie halt nicht vergessen die Pille zu nehmen), die für immer arm und irgendwie ausgestoßen sein wird. Aber auch nicht zu alt, das ist ja schon komisch, wenn die Mutter in der Kita für die Oma gehalten wird. Sie hat ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen, einige Jahre gearbeitet, einen Mann kennengelernt und diesen geheiratet. Beide haben einen Bausparvertrag abgeschlossen und sich nun ein Reihenhaus gekauft. Nun kommt zur Vollendung dieses Bildes das erste und vielleicht das zweite Kind. Die Mutter nimmt Elternzeit (der Vater auch, so für 4 Wochen, ist ja schon irgendwie süß von ihm) und danach arbeitet sie in Teilzeit, während die Kinder in der Kita sind. Sie hat keine Mittagspause, weil sie in der Zeit die Kinder von der Kita abholt, kocht, putzt, wäscht und die Kinder zum Schwimmen und Geige spielen fährt. Sport macht sie auch, der Körper sollte schon wieder gut aussehen nach der Geburt. Da sie ja „nur“ in Teilzeit arbeitet, bleibt die Care-Arbeit ihr Aufgabenbereich. Feierabend? Eher nicht. Und dann bekommt sie einmal im Jahr einen Blumenstrauß und Schokolade, weil sie sich so toll an die Regeln gehalten hat. Na vielen Dank.

Ich will damit nicht sagen, dass es keine Ausnahmen gibt. Das es auch in heterosexuellen Beziehungen Väter gibt, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, die Schwierigkeiten damit haben in Elternzeit zu gehen, weil ihr Chef das irgendwie komisch und unpassend findet und denen auf dem Spielplatz abgesprochen wird, ihr Kind richtig wickeln zu können. Genauso möchte ich damit nicht sagen, dass es nicht viele unterschiedliche Familienkonstellationen gibt. Es gibt Trans*männer die Kinder gebären, Queere Familien, Freund*innen die zu zweit oder mit mehreren Menschen Kinder großziehen, Schwule und Lesbische Paare mit Kindern, Alleinerziehende Menschen, junge und alte Eltern-Personen.

Ich spreche von idealisierten Darstellungen und Normen, die sich hartnäckig halten und zusätzlich noch von vielen Zeitschriften, in der Werbung, in Serien und Filmen transportiert werden. Und das alle Menschen, die Kinder alleine oder gemeinsam großziehen und nicht diesen Normen entsprechen einem täglichen Kampf um Anerkennung oder Abstrafung ausgesetzt sind.

Einige Bilder halten sich trotz vermeintlichem Fortschritt und sexueller Befreiung, einer weiblichen Kanzlerin und ein paar mehr Frauen in Chefetagen hartnäckig. Sowie das Bild des „gefallenen Mädchens“.  

Der Sexualunterricht in den Schulen konzentriert sich nach wie vor darauf jungen Mädchen die Gefahr einer jungen Mutterschaft vor Augen zu führen, das Bild eines „gefallenen Mädchens“ als größte Abschreckung darzustellen. Gleichzeitig wird versäumt über sexuelle Selbstbestimmung, Lust und Selbstbefriedigung aufzuklären. Fernseh-Formate wie „Teenie-Mütter – Wenn Kinder Kinder kriegen“, verfestigen seit etlichen Jahren das Bild von verarmten, unfähigen, verantwortungslosen jungen Müttern. Väter spielen dort nur am Rand eine Rolle, der Fokus der „Schuld“ liegt auf den Mädchen bzw. jungen Frauen.

Ich bin mit 19 Jahren Mutter geworden und jahrelang versucht diesem „bösen“ Klischee nicht zu entsprechen. Ich hatte immer das Gefühl, mich besonders beweisen zu müssen, dass ich „trotz“ meines Alters und meines Alleinerziehenden-Daseins, eine liebevolle Mutter sein kann. Ich bekam regelmäßig den Satz zu hören „Was? Da bist du aber jung Mutter geworden. Irgendwie krass wie du das geschafft hast. Für mich wäre das ja nix.“ Ich habe viele Jahre mit dem Versuch verbracht mich anzupassen und akzeptiert zu werden. Ich habe Blümchen-Blusen getragen, bin nicht müde geworden zu erklären, dass ich ja trotzdem eine Ausbildung gemacht habe, arbeite, meine Tochter reitet und Ballett tanzt, zur musikalischen Früherziehung geht und gesund ernährt wird. Als ich 24 Jahre alt war, sagte mir eine Kollegin die nur 3 Jahre älter war, „Du bist doch selbst noch ein Kind.“ Auf dem Spielplatz musste ich regelmäßig meine Lebensgeschichte erzählen und Dinge hören wie „Sag mal hast du denn nicht verhütet? Das war doch bestimmt nicht gewollt!“ Und da der Vater meiner Tochter nicht weiß ist, kamen noch Aussagen hinzu wie: „Süßes Kind, aber ganz deutsch ist die doch nicht oder?“. Diese Aussagen haben mich verletzt und beschämt. Und das war auch gewollt, denn es ist einfach sich selbst aufzuwerten indem man andere Menschen abwertet. Es hat dazu geführt das ich nach noch mehr Perfektion gestrebt habe, in der Erziehung meiner Tochter, meinem Job und dem Bild das ich versucht habe nach außen zu vermitteln. Vor lauter Anpassungsbemühen bin ich sehr krank geworden.

Irgendwann kam mir die Erkenntnis: Egal wie sehr ich es versuche, wie viele Einser-Abschlüsse oder Blümchen-Blusen ich habe, ich werde nie dazugehören. Einerseits eine ernüchternde Erkenntnis, andererseits auch das Erwachen ungeahnter Freiheit. Also habe ich aufgehört Blümchen-Blusen zu tragen und sie gegen schwarze T-Shirts getauscht, bin mit meiner Tochter in eine andere Stadt gezogen, habe meine Jobs gekündigt, ein Studium begonnen und mich mit Feminismus beschäftigt. Inzwischen leben wir in einer Familien-WG, feiern Weihnachten mit Partner*innen und Wahl-Familienmitgliedern und ohne Blümchen-Blusen. Heute bin ich wütend über einengende Normen, die Menschen in Schubladen stecken und erniedrigen. Über Bilder von Mutterschaft, die Ungleichheit produzieren und Abweichungen abstrafen.

Ich habe nichts gegen einen Mutter-Tag. Blumen und Schokolade zu verschenken ist erst einmal nichts Schlechtes. Solange aber Mutterschaft in unserer Gesellschaft nach wie vor mit einer so ausgeprägten Ungleichheit und hartnäckigen Rollenbildern behaftet ist, würde ich die Schokolade lieber gegen eine Revolution eintauschen.


[1] Vgl. https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap

[2] Cis bedeutet, dass die Geschlechtsidentität einer Person dem Geschlecht entspricht, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde.